Jubiläumsfeier 70 Jahre Sportverein Tiefenbach

Von Sputniks im Tanzsaal und Entmüdungsbädern im Katzbach

Launige Zeitreise durch 70 Jahre Sportverein Tiefenbach

„Fußball ist unser Leben“ schmetterte ein vielstimmiger gemischter Chor aus den beiden Seniorenmannschaften sowie den Bambinis, F- und E-Jugendspielern des SV Tiefenbach zum Auftakt der Jubiläumsveranstaltung des Sportvereins in der voll besetzten Kreuzberghalle anlässlich des 70. Gründungsjahres. Dass jedoch mittlerweile nicht nur Fußball gespielt wird im mitgliederstärksten Verein der Weinbaugemeinde am Fuße des Wormsberges, machte der 1. Vorsitzende Robert Emmerich in seiner Begrüßungsrede deutlich. Emmerich freute sich über den zahlreichen Besuch und betonte vor allem das enorme ehrenamtliche Engagement vieler Mitglieder, aller Übungsleiter und der SV-Verantwortlichen, das den Verein nunmehr bereits über sieben Jahrzehnte lang als lebendigen und wichtigen Bestandteil des örtlichen Zusammenlebens aktiv erhält. Der SV-Vorsitzende unterstrich den Wandel des ehemals reinen Fußballvereins zum modernen Mehrsparten-Verein, der mit vielfältigen Angeboten mittlerweile sportliche Aktivitäten für alle Altersbereiche von der Krabbelgruppe für Babys bis zur Senioren-Gymnastikgruppe ermöglich und mit Viet Vo Dao, einer fernöstlichen Kampfsportart zur Selbstverteidigung seit einem knappen Jahr auch Exotik bietet. Er verglich den SV Tiefenbach dabei mit dem VW-Konzern, der seit Aufnahme der Käfer-Produktion im Jahre 1946 mit immer wieder neuen Modellen ebenfalls eine Erfolgsgeschichte schrieb. Da auch der Badische Fußballverband ein Jahr nach Kriegsende gegründet wurde, scheint das Jahr 1946 offensichtlich ein gutes Jahr gewesen zu sein, wie Emmerich mit einem Augenzwinkern bemerkte. Aber auch kritische Anmerkungen fanden sich in der Rede des SV-Vorsitzenden, der vor allem die zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs beklagte, der sich inzwischen alles unterzuordnen habe, worunter zuvorderst die Amateurvereine zu leiden hätten. „Unsere Amateure – die wahren Profis“, dieser Öffentlichkeitskampagne des DFB konnte Emmerich angesichts der fehlenden Rücksicht gerade auf die Interessen der kleinen Vereine jedenfalls nicht viel abgewinnen. Er forderte stattdessen gerade in diesem Bereich ein schnelles Umdenken und vor allem mehr gelebte Solidarität der DFB-Oberen mit der Basis statt der in Hochglanz-Broschüren veöffentlichten leeren Schlagworte.

An die Gründungsväter erinnerte der Fußball-Kreisvorsitzende Herwig Werschak, der den 70jährigen Jubilar ob seiner ausgezeichneten Jugendarbeit als jungen und dynamischen Verein lobte und ein Geschenk für eben diese Jugendarbeit mitgebracht hatte. Dietmar Friedenauer gratulierte im Namen der Tiefenbacher Ortsvereine und wünschte launig viele Tore, die jedoch allesamt auf der richtigen Seite fallen sollten. Auch Gerhard Kimling, Vorsitzender des benachbarten FC Östringen, gratulierte dem Jubilar und hob vor allem die gute Zusammenarbeit innerhalb der nun schon seit zwölf Jahren bestehenden Jugendkooperation aller Stadtteil-Fußballvereine hervor, die sich für alle Beteiligten bislang als Erfolgsmodell erwiesen hat.

Auf eine digitale Reise durch sieben Jahrzehnte Sportverein Tiefenbach nahm danach Murat Yildiz das aufmerksame Publikum in seiner informativen Powerpoint-Präsentation mit. Kurzweilig, kenntnisreich und mit zahlreichen launigen Anmerkungen präsentierte der aktuell erfolgreichste Torjäger des SV dabei Geschichten, Köpfe, Siege und Niederlagen aus der 70jährigen Vereinsgeschichte. Vor allem die Anfangsjahre mit Trainingsabenden und legendären Faschingsbällen im multifunktionalen Tanzsaal des Gasthauses „Zur Krone“, mit dem Bau der von der Post erworbenen Baracke als erstem „Clubhaus“ am alten Sportplatz im“Hellenbusch“ weit außerhalb des Dorfes Richtung Eichelberg und mit Entmüdungsbädern nach den Spielen in der „Kampfbahn Rote Erde“ im nahegelegenen Katzbach oder in der Zinkwanne im Hof beim Kronenwirt wurden danach in einem ebenfalls digital von Murat Yildiz geführten Interview mit einem Zeitzeugen, dem SV-Urgestein Oskar Denk, nochmals lebendig.

Dass sich in den zurückliegenden Jahren seit den Jubiläen zum 50. und 60. Vereinsgeburtstag auch immer wieder Mitglieder und Freunde des Vereins mit besonderem Engagement für ihren Verein einsetzten, wurde bei den vielen Ehrungen deutlich, die von der Vereinsführung, vom Kreisvorsitzenden Werschak und von Östringens Bürgermeister Felix Geider durchgeführt wurden und über die an anderer Stelle berichtet wird.

Zum Gelingen des Jubiläumsabends trugen neben den Mädels von der OKG-Präsidentengarde mit einem begeistert aufgenommenen schwungvollen Tanz auch der Tiefenbacher Kirchenchor und der Musikverein Tiefenbach bei, die beide unter der Leitung von Volker Steiger den musikalischen Teil des Abends bestritten. Dass sich Vertreter aller Tiefenbacher als freiwillige Helfer in Küche und Ausschank zur Verfügung stellten, passte letztlich auch in das Bild eines rundum gelungenen Abends.

Text zum Bild: Oskar Denk, mit 83 Jahren als Chef der SV-Rentner-Truppe immer noch regelmäßig für seinen SVT im Einsatz, erzählte launige Anekdoten aus den Anfangsjahren des Sportvereins.